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Das Jahr ist 1935. Die Citroën-Führung hat einen Auftrag: Baut ein Auto für das ländliche Frankreich. Nicht für den wohlhabenden Pariser, sondern für den Bauern, der seine Waren zum Markt bringen muss. Die Anforderungen sind legendär in ihrer Schlichtheit: vier Räder, ein Dach, fünfzig Kilo Kartoffeln und ein Korb Eier, ohne ein einziges zu zerbrechen.
Chefdesigner Pierre-Jules Boulanger fügte eine eigene Bedingung hinzu: Wenn ich meinen Hut aufbehalte, muss ich noch bequem fahren können. Der 2CV wurde für Menschen entworfen, nicht für Schaufenster.
1948 wurde der 2CV auf dem Pariser Automobilsalon präsentiert. Die Reaktionen waren gemischt, gelinde gesagt. Journalisten sprachen von einem "Regenschirm auf vier Rädern" und "dem hässlichsten Auto der Welt." Ein Fotograf fotografierte ihn absichtlich neben einem Schwein, als Scherz. Citroën reagierte nicht. Sie nahmen einfach die Bestellungen entgegen.
Denn das Publikum verstand ihn. Nicht weil er schön war, sondern weil er genau das tat, was versprochen wurde. Er fuhr. Er war billig im Unterhalt. Er kam überall durch. Und er wiegte sich sanft über jede Unebenheit der Strasse, als würde er einen in den Schlaf wiegen.
In den Niederlanden erhielt er schnell einen Spitznamen, der blieb: die Hässliche Ente. Ein Schimpfwort, das mit Stolz getragen wurde. Wer eine Ente fuhr, tat es mit Begeisterung.
"Man kann in einer Ente nicht schnell fahren. Und genau das ist der Sinn." Unbekannter Besitzer, irgendwo an einem friesischen Deich
Moderne Autos versuchen, die Strasse aus dem Bewusstsein zu streichen. Man sitzt in einer schalldichten Kapsel, das Armaturenbrett piept, ein Bildschirm sagt einem, was zu tun ist. Man fährt, aber man bewegt sich nicht wirklich.
Im 2CV ist das anders. Hier spürt man die Strasse. Wirklich. Die einzigartige Federung mit langen Federn und weicher Dämpfung sorgt dafür, dass das Auto in jeder Kurve leicht zur Seite kippt, aber stabil bleibt. Es ist ein Schaukeln, kein unkontrollierbares Wackeln. Man rollt eher, als dass man fährt.
Schalten tut man mit einer Stange, die gerade aus dem Armaturenbrett ragt und sich horizontal vor- und zurückbewegt. Es sieht seltsam aus, es fühlt sich kurz seltsam an, und dann fühlt es sich wie nach Hause kommen an. Kein versteckter Hebel zwischen den Sitzen, einfach geradeaus.
Bei schönem Wetter rollt das gesamte Dach nach hinten. Nicht ein Schiebedach, sondern das gesamte Dach. Plötzlich sitzt man in einem Cabrio, das kein Cabrio ist. Die Sonne, der Wind, das Geräusch der Strasse: alles kommt herein. Das ist kein Feature, das ist ein Gefühl.
Der luftgekühlte Zweizylinder-Boxermotor klingt wie nichts anderes. Ein sanftes, brummendes Schnurren, wie eine grosse zufriedene Katze. Kein donnerndes Motorgeräusch, kein Flüstern eines Elektromotors. Einfach ein freundlicher Klang, der sagt: Ich fahre, ich bin da, mach dir keine Sorgen.
Es gibt keinen besseren Ort, um in einem 2CV zu fahren als Friesland. Die stillen Deichstrassen, die offenen Polder, die Dörfer, wo die Zeit in einem anderen Tempo tickt: Es passt perfekt zum Tempo der Ente. Man muss nirgendwo schnell sein. Man hat alle Zeit der Welt.
Bei Toer Eend Friesland warten drei 2CVs: Yfke, Renske und Johannes. Johannes hat sogar an einer echten Elfstädtetour teilgenommen und ist der einzige 2CV in den Niederlanden mit dieser Geschichte. Jede Ente hat ihren eigenen Charakter, ihre eigene Farbe, ihre eigenen kleinen Eigenheiten.
Einsteigen, Dach auf, und Friesland an sich vorbeirollen lassen. Das ist der beste Weg zu verstehen, warum Millionen von Menschen weltweit dieses kleine, einfache, hässlich-schöne Autochen so lieben.